162 Ecken


Zwei Punkte definieren eine Strecke. Zwischen zwei parallel verlaufenden Strecken entsteht eine zweiseitig begrenzte Fläche, ein linearer Weg. Drei Punkte bilden eine begrenzte Fläche. Verfügen diese Punkte über eine wirksame Höhe, werden zu Objekten mit einer wirksammen eine Masse, so sind sie gar in der Lage eine Art von diffusem Raum zu bilden.

Raumbildung im architektonischen Kontext beginnt mit dem vorhanden sein zweier Wände. Stehen nun zwei Wände parallel zueinander entsteht zwischen ihnen Raum - Zwischenraum. Dieser Raum ist, wie die Zwischenfläche, linear orientiert und zu zwei Seiten geöffnet. Er ist mehr Weg als Raum, Wegraum, Durchgangsraum. Er bietet keinen Schutz, keine Geborgenheit.

Architektur in ihrer Urform, als schützende Höhle, Urhütte, beinhaltet aber eben dies. Schutz durch umgebende Masse und das Gefühl der Geborgenheit durch Raumtiefe, Schatten und das Feuer im Zentrum. Schutz lässt sich durch einfache tektonische Mittel herstellen - Wände, Boden, Decke. Das Gefühl der Geborgenheit ist als subjektive Regung weit schwerer greifbar. 

Zwei sich treffende Wände bilden eine Ecke. Ist dies eine negative Ecke, entsteht in dieser das Positiv, der Raum. Dies ist nun kein Wegraum, sondern ein Ort des Aufenthalts. Das in die Ecke hineinfallende Licht wird von den sich selbst und gegenseitig verschattenden Wänden geschluckt. Dieser Schatten lässt in der Raumecke eine Tiefenwirkung entstehen. In dieser Schattenecke könnte nun ein Gefühl der Geborgenheit vermutet werden.

Die Serie der '162 Ecken' untersucht die atmosphärische Wirkung von Raumecken. Die Papierarbeiten mit Pigment oszillieren zwischen Fläche, Nische und Körperhaftigkeit, eröffnen Wege, die um die Ecke führen, verschließen diese.  

Köln, 2022



Raum - Braune Reihe
Nr. 10 von 81

Pigment auf Papier
55 x 60 cm
Körper - Schwarze Reihe
Nr. 28 von 81

Pigment auf Papier
55 x 60 cm